Die einvernehmliche Scheidung ist die am häufigsten vollzogene Scheidung in Österreich. Rund 90 Prozent aller Scheidungen geschehen einvernehmlich, da diese Form die einfachste, nervenschonendste und kostengünstigste Variante aller Scheidungsformen darstellt. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass selbst ein streitiges Scheidungsverfahren in eine einvernehmliche Scheidung umgewandelt werden kann. Trotz dieser Vorteile, gilt es ein paar Dinge zu beachten, vor allem der Abschluss der Scheidungsvereinbarung birgt Risiken in sich:

Damit eine einvernehmliche Scheidung durchgeführt werden kann, sieht das österreichische Ehegesetz vor, dass beide Ehegatten den Scheidungsantrag gemeinsam stellen.

Außerdem muss die eheliche Lebensgemeinschaft seit mindestens 6 Monaten aufgehoben sein – Dies muss auch von beiden Ehegatten zugestanden werden. Eine einvernehmliche Scheidung ist somit in den ersten sechs Monaten nach Eheschließung ausgeschlossen. Eine Aufhebung der Lebensgemeinschaft kann  auch dann vorliegen, wenn beide Ehegatten noch gemeinsam in der Ehewohnung leben. Allerdings muss dann der gemeinsam geführte Haushalt aufgehoben sein – also jeder so leben, als wäre er alleine für sich.

Des Weiteren gilt, dass Einvernehmen über die Scheidung der Ehe herrschen muss – So müssen beide Ehegatten die Scheidung auch tatsächlich wollen.

Sofern Sie minderjährige Kinder haben, müssen Sie dem Gericht beim Scheidungstermin einen in Anspruch genommenen Termin bei einem anerkannten Elternberater nachweisen.

Als letzter und wohl wichtigste Voraussetzung verlangt das Gesetz, dass eine einvernehmliche Scheidung nur bei Vorliegen einer Vereinbarung über die Scheidungsfolgen vorgenommen werden darf: Dieser Scheidungsvergleich ist deshalb der schwierigste Teil, da man sich darin über

  • die Obsorge und Kontaktrecht;
  • den Kindesunterhalt;
  • den Ehegattenunterhalt; sowie über
  • die Aufteilung des Vermögens

spätestens zum Zeitpunkt der Scheidung tatsächlich einig sein muss. Des Weiteren kann man auch Regelungen über die gemeinsamen Schulden oder den Verkauf von Gebrauchsvermögen – wie dem ehelichen KFZ – treffen. Regelmäßig werden die Bedingungen einer derartigen Vereinbarung im Vorhinein verhandelt und zum Scheidungstermin dem Gericht vorgelegt. Sofern Sie keine anwaltliche Vertretung haben, kann Sie der Abschluss einer derartigen Vereinbarung vor Herausforderungen stellen, vor allem weil der vor Gericht abgeschlossene Vergleich dann exekutionsrechtlich durchgesetzt werden kann. Stimmen Sie daher einer Ihnen vorgelegten Vereinbarung nicht allzu schnell zu, sondern prüfen Sie diese ganz genau!

Sofern alle diese Voraussetzungen vorliegen – und gänzliche Einigung besteht – können Sie den gemeinsamen Antrag auf einvernehmliche Scheidung stellen.

Für die Scheidung zuständig ist das Bezirksgericht, bei dem beide Ehegatten den letzten gemeinsamen Aufenthalt haben bzw hatten – Allerdings kann durch Vereinbarung auch ein anderes Bezirksgericht zuständig gemacht werden.

Scheidungsanwalt in Wien

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Rechtsanwalt Mag. Jakob Weinrich, LL.M. (London)
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