Neben der Katze ist der Hund das beliebteste Haustier in Österreich – Der beste Freund des Menschen beschäftigt allerdings auch die Gerichte zur Genüge. Wussten Sie für welches Verhalten Sie als Hundehalter haftbar gemacht werden können und was bei einem Unfall zu ersetzen ist?

Stellen Sie sich vor, Sie gehen mit Ihrem Hund im Wald spazieren –  Sie wissen, er ist folgsam und tut niemandem etwas, Sie lassen ihn also frei vor sich herlaufen. Plötzlich kommt Ihnen jemand entgegen und Ihr Hund – die Frohnatur – begrüßt diese Person. Leider so stürmisch, dass diese Person zu Fall kommt und sich dabei verletzt.

In einer derartigen Situation unterliegen Sie der Tierhalterhaftung – das Besondere an dieser Form der Haftung ist, dass Sie im Schadensfall beweisen müssen,  die objektive Sorgfalt eingehalten zu haben. Konkret bedeutet das, dass Sie für die erforderliche Verwahrung oder Beaufsichtigung Ihres Hundes gesorgt haben müssen.

Grundsätzlich gilt, je gefährlicher der Hund, desto sorgfältiger ist dieser zu verwahren. Die Gerichte beziehen bei ihren Entscheidungen folgende Punkte mit ein:

  • (erkennbare) Eigenschaften und die Gefährlichkeit des Hundes
  • die Art und Individualität des Hundes
  • äußere bzw örtliche Gegebenheiten

Gerichtliche Entscheidungen zur Haftung von Hundehaltern sind stark einzelfallbezogen: Sofern Sie einen gutmütigen, nicht bösartigen und folgsamen Hund haben, kann es durchaus in Ordnung sein, wenn dieser in einem wenig besuchten Waldstück frei vor Ihnen herumläuft.

Wenn Sie aber wussten, dass Ihr Hund als Frohnatur jeden anderen Spaziergänger begrüßt, spricht es wiederum dafür, ihn an die Leine zu nehmen. Freilich fällt die stürmische Begrüßung von einem Dackel auch etwas anders aus,  als die von einem Bernhardiner.

Nach höchstgerichtlicher Judikatur dürfe das Erfordernis der Verwahrung allerdings auch nicht überspannt werden: So sind Vorkehrungen dann als ausreichend, die vom Tierhalter unter Berücksichtigung des bisherigen Verhaltens des Tieres billigerweise erwartet werden können.

Der Hundehalter haftet für Schäden, die bei gehöriger Verwahrung unterblieben wären, selbst wenn kein geradezu atypisches, wohl aber ein objektiv vorhersehbares Verhalten des Tieres vorliegt. Dies umfasst etwa auch Schäden, die aus den Folgen des Hinaufspringens entstehen können.

Wenn beim Spielen Verletzungen untereinander entstehen, besteht aber nicht unbedingt Ersatzpflicht: Bei nicht bösartigen und folgsame Hunden, die frei herumlaufen und im Einvernehmen ihrer Halter miteinander spielen, hat der OGH entschieden, dass für die erforderliche Verwahrung oder Beaufsichtigung gesorgt war und daher keine Haftung des Hundehalters angenommen.

Scheidungsanwalt in Wien

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